16. Dezember 2025 Christina Fischer-Lessiak Sandra Beaufaÿs
Gender Studies gibt es auch zum Hören – zum Beispiel in dem Podcast Gender und mehr – leicht gesagt! an der Universität Graz. Themen wie Gender Pay Gap, globale Antifeminismen, KI und Digitalisierung aus feministischer Perspektive, geschlechtergerechte Stadtentwicklung oder Reproduktive Gerechtigkeit werden hier mit Forschenden aus dem Feld diskutiert. Mit Christina Fischer-Lessiak, die den Podcast hostet, sprach Sandra Beaufaÿs über das Konzept, über die konkrete Arbeit und warum es sich lohnt, einmal reinzuhören.
Tina, du hostest den Podcast „Gender und mehr – leicht gesagt!“ Was ist dein persönlicher Hintergrund?
Ich bin seit Dezember 2020 an der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung der Uni Graz tätig. Am Anfang waren es nur wenige Stunden, inzwischen bin ich stellvertretende Leiterin und für die Koordination der Geschlechterstudien zuständig. Von meiner Ausbildung her bin ich Veranstaltungstechnikerin, Musikologin und habe auch interdisziplinäre Geschlechterstudien an der Uni Graz studiert. Ich bin selbst auch leidenschaftliche Podcast-Hörerin und habe Erfahrungen mit Radio-Machen, weil ich beim lokalen, freien Radio Helsinki schon Radiosendungen gemacht habe.
Also bist du selbst mit der Idee gekommen, einen Podcast zu machen?
Tatsächlich war das meine Idee. Die Initialzündung war ein Fellowship-Programm an der Koordinationsstelle, das Elisabeth-List-Fellowship-Programm für Geschlechterforschung. Dafür können sich Forscher*innen der Uni Graz in Kooperation mit Forscher*innen anderer Institutionen aus dem In- und Ausland bewerben. Das Team der Koordinationsstelle wollte dieses Projekt gerne ein bisschen stärker bewerben und auch die spannenden Inhalte präsentieren, sodass die Leute mehr davon erfahren. Da habe ich gesagt, eigentlich wäre ein Podcast-Format super! Für mich war die Vorstellung sehr spannend, dass man Forscher*innen zu ihren Forschungsprojekten befragt und ihnen damit auch den Raum gibt, zu erzählen, was gerade in ihrer Forschung passiert.
Was steckt hinter dem Namen „Gender und mehr – leicht gesagt!“?
Wir wollten uns nicht nur auf Gender fokussieren, sondern auch den Raum lassen, andere Forschungsthemen einzubauen – Überschrift: Diversität, Diversitätsforschung, also „mehr“. Der Grundgedanke war, dass wir einen Podcast gestalten wollten, der gut zugänglich ist. Also keinen Fachpodcast, der nur für Personen ist, die sich mit Geschlechterforschung beschäftigen und sich gut auskennen, sondern für Leute, die vielleicht damit noch nie Berührung gehabt haben und sich einfach mal interessieren, was ist denn das überhaupt, was kann ich mir unter Geschlechterforschung vorstellen? Das „leicht gesagt!“ ist auf jeden Fall eine große Aufgabe: Komplexe Forschungsinhalte so aufzubereiten, dass sie für viele verständlich sind. Ich merke, dass es Themen gibt, die leichter zugänglich zum Zuhören sind als andere. Beispielsweise sind Theorien über Posthumanismus, glaube ich, von der Lebensrealität vieler Menschen weiter weg im Vergleich zu so etwas wie dem Gender Pay Gap, da kann man vielleicht noch einfacher drüber reden. Ich glaube, realistisch gesehen, dass die Zielgruppe Personen sind, die sich für das Thema schon grundsätzlich interessieren.
Wie kommst du an deine Interviewpartner*innen?
Uns ist es wichtig, dass alle Forschungsteams des Elisabeth-List-Fellowship-Programms für eine Episode eingeladen werden. Die Internationalität der Gäst*innen macht die Podcast-Produktion jedenfalls besonders spannend. Andere Interviewpartner*innen sind auch Aigner-Rollet-Gastprofessor*innen. Das ist eine einsemestrige Gastprofessur für Geschlechterforschung, die im Rotationsverfahren an die unterschiedlichen Fakultäten der Uni Graz angebunden ist. Im Moment ist das Noella Edelmann am Institut für Psychologie. Manchmal ergibt sich auch anlassbezogen die Möglichkeit, Personen zu fragen, ob sie für ein Interview bereit wären. Wir haben zum Beispiel die Jahreskonferenz von der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung in Kooperation mit der Technischen Universität Graz ausgerichtet. Die Chance habe ich genutzt, um ein paar der Vortragenden zu interviewen.
Welche Folgen fallen etwas aus dem Rahmen?
Es gibt im Podcast eine Ausnahme von dem Interviewformat, das ist eine zweiteilige Sonderfolge über die Geschichte der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung an der Uni Graz, weil wir voriges Jahr unser 30-jähriges Jubiläum gefeiert haben. Da habe ich sehr viele Akteurinnen aus der Geschichte interviewt, was für mich auch besonders wichtig war, weil unsere langjährige Leitung, Barbara Hey, danach in Pension gegangen ist. Das war eine schöne Gelegenheit, um sie zu fragen, wie die Geschichte der Koordinationsstelle aus ihrer Perspektive aussieht. Was ich auch probiere, ist, dass ich Absolvent*innen der Gender Studies einlade, über ihre Abschlussarbeiten zu sprechen, weil ich das auch spannend finde, zu hören, womit sich der wissenschaftliche Nachwuchs beschäftigt.
Bekommt ihr Feedback auf den Podcast?
Ja, also im Grunde bekomme ich für den Podcast wenig Feedback. Und das, was ich bis jetzt bekommen habe, war positiv. Aufgrund des Podcasts bin ich beispielsweise schon einmal von einer Lehrerin eingeladen worden, ihren Schüler*innen etwas zu Geschlechterforschung und Feminismus zu präsentieren. Ich bekomme auch E-Mails von Forscher*innen, die fragen, ob sie in einer Folge vorkommen können. Also ich habe schon den Eindruck, dass es eine Hörer*innenschaft gibt. Angriffe oder irgendeinen Backlash habe ich bis jetzt noch nicht erlebt. Einmal habe ich von einem jungen YouTuber eine Anfrage gekriegt, der ein Format gehabt hat, bei dem er kontroverse Themen mit Personen diskutierte. Er hat mich aufgrund des Podcasts gefunden und wollte mich zu einem Gespräch einladen. Er hat dann gleich vorweggeschickt, dass er Gendern und alles, was mit dem Thema zu tun hat, furchtbar findet und dass es seiner Meinung nach nur Männer und Frauen gibt. Diese Einladung habe ich dann dankend abgelehnt. Das war so das Einzige, was irgendwie mal in die Richtung gegangen ist. Sonst habe ich das Glück gehabt, dass der Podcast anscheinend noch niemanden genug aufgeregt hat, um sich bei mir zu melden. Kann ja noch passieren, ich schließe es nicht aus.
Wie oft dürfen wir uns über neue Folgen freuen?
Also, die Idee ist, dass es einmal im Monat eine neue Folge gibt. Ich kann schon mal verraten, dass jetzt bald wieder ein paar Folgen rauskommen.
Hört doch mal rein …
… um einen Einblick zu kriegen, was gerade in der aktuellen Geschlechterforschung passiert, und welche spannenden Projekte es an der Uni Graz gibt!
Der Podcast ist auf folgenden Plattformen kostenlos zugänglich:
Zitation: Christina Fischer-Lessiak, Sandra Beaufaÿs: „Gender und mehr – leicht gesagt!“ – Podcasts aus der Fachcommunity 1, in: blog interdisziplinäre geschlechterforschung, 16.12.2025, www.gender-blog.de/beitrag/gender-und-mehr-podcast/, DOI: https://doi.org/10.17185/gender/20251216
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