19. Dezember 2025 Hanna Haag Sabrina Schmitt Celina Letzner
Gender Studies gibt es auch zum Hören – zum Beispiel in dem Podcast nachg*fragt des Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen. Themen wie künstliche Intelligenz, Gewalt und Männlichkeit werden hier mit Expert*innen aus Wissenschaft und/oder Praxis diskutiert. Mit den Hosts Hanna Haag und Sabrina Schmitt sprach Celina Letzner über Lust und Last der Wissenschaftskommunikation.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Podcast zu starten?
Sa. S.: Für mich kam das sehr spontan. Hanna kam mit der Idee, und wir beschlossen einfach: Wir probieren das, wir fangen an und sehen, was passiert. Es war unkompliziert, weil wir uns gut verstehen und ähnliche Vorstellungen haben. Ich glaube, sonst hätte ich es nicht gemacht. Am Ende war es vor allem Lust und Interesse, die uns motiviert haben.
H. H.: Die Idee entstand in einem Teammeeting im gFFZ. Damals sagten wir: „Wir wollen jetzt auch einen Podcast machen.“ Wir wollten ausprobieren, wie Geschlechterforschung so sichtbar werden kann. Lustigerweise meinte unsere jüngste Kollegin, Podcasts seien schon wieder „out“! Ursprünglich wollten wir den Fokus auf Hessen legen, Kolleg*innen und deren Arbeit vorstellen. Mir war sofort klar, dass ich das nicht alleine machen möchte und Sabrina fiel mir ein, da wir schon in verschiedenen Kontexten gut zusammengearbeitet hatten. Bald haben wir aber gemerkt, dass eine rein hessische Perspektive wohl zu begrenzt wäre. Gerade weil Hochschulen für angewandte Wissenschaften spezifisch arbeiten, wollten wir den Blick auf andere Forschungszusammenhänge erweitern.
Hattet ihr von Anfang an ein Konzept, in welche Richtung es gehen soll, oder kam das auch eher mit der Zeit?
H. H.: Ich war eingeladen bei einem Podcast von Kolleg:innen von mir, „Musi*Sociology“. Die Idee ist, Musik und Soziologie zu verbinden. Da bringen die Leute immer Musikstücke mit. Ich war da zum Thema Geschlecht und dann dachte ich, dass man das vielleicht adaptieren kann. Dann haben wir gedacht, wir lassen die Leute mal Zitate aus ihren Lieblingstexten mitbringen. Wir laden immer zwei Gäste ein und immer mit der Zielsetzung, die Geschlechterforschung wirklich auch ins Zentrum zu rücken. Also, wie kommen die Leute dazu? Was haben sie für einen Hintergrund? Wie kommen sie zu diesem Thema? Und wie bearbeiten sie das auch forschungsmäßig?
Sa. S.: Hanna hatte die Idee, wie man das macht, und dann haben wir so im E-Mail-Austausch Fragen überlegt. Wir haben nie groß über Geschlechterforschung als unser Thema überlegt bzw. infrage gestellt, weil uns das auch verbindet – inhaltlich, thematisch. Und dann haben wir uns gefragt: Was interessiert uns? Ich lerne da auch wahnsinnig viel. Die Themen ergeben sich quasi auch aus der Auseinandersetzung mit dem Feld Geschlechterforschung, aber wir hatten nie so einen Plan. Wir planen vielleicht zwei Folgen im Voraus. Wir haben viele Freiheiten, und das mag ich auch am gFFZ.
Welche Zielgruppe möchtet ihr mit dem Podcast erreichen?
H. H.: Wir haben uns lange überlegt, wer unsere Zielgruppe sein könnte. Es ist klar, dass es ein Wissenschafts-Podcast ist, er ist ein bisschen voraussetzungsvoller dahingehend, dass er jetzt nicht nur einen Unterhaltungscharakter hat. Wir adressieren ein Wissenschaftspublikum, also Menschen, die sich einfach für diese Themen in einer wissenschaftlichen Aufbereitung interessieren. Das können auch Studierende sein, oder eben Kolleg*innen aus dem Fach, die sich dann jetzt genau für das Thema interessieren. Wir merken aber jetzt, eher im Umkehrschluss, wen man vielleicht nicht erreicht.
Sa. S.: Da es anfangs kein Konzept gab, wen wir erreichen wollen, wurde es halt so. Wir haben Leute eingeladen und die sind dann natürlich mit dem gekommen, was sie hatten. Wir sind, glaube ich, jetzt erst an dem Punkt, an dem wir sehen, dass der Podcast nicht so anschlussfähig für jemanden ist, der jetzt da so ganz unbeleckt ans Werk geht.
Wisst ihr denn, wer den Podcast hört? Bekommt ihr Feedback?
H. H.: Also das ist noch sehr verhalten. Eileen Wittenberger, die unseren Podcast technisch betreut, hat wahrscheinlich genauere Zahlen, ich habe jetzt eher so aus dem Kolleg*innenkreis Feedback bekommen von Leuten, die dann sagten, „Oh, ich höre das jetzt auch, ist ja toll“ oder „Ihr macht da tolle Sachen“. Es gab aber durchaus auch mal kritische Töne von Leuten, die diesen starken Unterhaltungscharakter ein bisschen vermissen.
Sa. S.: Ich benutze den Podcast manchmal in der Lehre. Das mache ich nur sehr themenspezifisch, also, wenn es eben passt. Feedback passiert dann leider natürlich in einem asymmetrischen Verhältnis: Die werden mir nicht sagen, wenn sie den Podcast blöd finden. Es gab aber schon auch die Rückmeldung, dass es schon intensiv und voraussetzungsvoll ist. Wir erklären zum Beispiel keine Begrifflichkeiten. Das verlangt der Hörer*innenschaft ab, auszuhalten, dass sie es nicht wissen, nicht sofort verstehen. Ich glaube, da verlieren wir viele Leute, weil wir eben nicht grundlegend klären, was der Gegenstand ist.
Habt ihr schon Angriffe erlebt?
Sa. S.: Einmal habe ich den Podcast auf meinem öffentlichen Instagram-Profil geteilt, da kam eine Rückmeldung von einer Person, die dann geschrieben hat, dass das keine Wissenschaft, sondern Ideologie sei. Das ist leider das Übliche, wenn man sich als weiblich gelesene Person zu Genderforschung auf Instagram äußert. Die Person hat die Folge, glaube ich, nicht gehört, da es keine inhaltliche Auseinandersetzung gab, es ging nur um die Tatsache, dass ich gesagt habe: „Hier ist ein Podcast, der beschäftigt sich mit Genderforschung“.
Wie bekommt ihr die Arbeit in eurem Arbeitsalltag unter?
Sa. S.: Was ist Arbeitszeit? Ich bin festangestellte Professorin und ich mache das nicht formal in meiner Arbeitszeit, aber ich mache es auch nicht unbezahlt, um es jetzt mal so zu sagen. Es gehört für mich zu meiner Arbeit und ich habe eine sehr privilegierte Position. In Academia wird alles natürlich immer in diese Verwertbarkeitslogik reingeballert und das führt dann dazu, dass ich mich auch frage, wofür ich das jetzt mache. Ich will das aber eben auch explizit nicht für irgendwas machen, außer für meinen Spaß, und trotzdem zieht es mir aber Kapazitäten, die mir dann woanders fehlen. Und insofern kann ich die Frage nicht beantworten, weil es zu meiner Arbeit gehört, aber eben nicht streng genommen in das Feld der Wissenschaftskommunikation fällt.
H. H.: Ja, geht mir genauso. Ich habe die letzte Folge zum Beispiel, als die dann nochmal zur Überarbeitung kam, beim Joggen angehört. In der Wissenschaft haben wir da alle Freiräume und Zwänge und das Schöne ist ja, dass man das ganz selbstbestimmt angehen kann. Die Hauptarbeit ist tatsächlich im Nachgang: Was kann man eigentlich rausschneiden? Was kann gekürzt werden? Was ist vielleicht redundant? Oder was macht das dann einfach zäh und langatmig? Bis so eine Folge dann wirklich fertig ist, das dauert eine Weile. Das geben wir an Eileen weiter, sie das dann schneidet. Zum Glück haben wir die Mittel, damit sie das weitermachen kann, ansonsten wären wir ganz schön aufgeschmissen.
Wieso sollte man euren Podcast hören?
Sa. S.: Wer Lust hat, sich intensiver mit Geschlechterforschung zu beschäftigen, wird aus unserem Podcast auf jeden Fall was mitnehmen!
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Der Podcast ist auf folgenden Plattformen kostenlos zugänglich:
Zitation: Hanna Haag, Sabrina Schmitt, Celina Letzner: „nachg*fragt“ – Podcasts aus der Fachcommunity 4, in: blog interdisziplinäre geschlechterforschung, 19.12.2025, www.gender-blog.de/beitrag/nachgfragt-podcasts/, DOI: https://doi.org/10.17185/gender/20251219
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