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Räume des Begehrens – Intimität im Licht von Heated Rivalry

05. Mai 2026 Lisa Römer

Die rivalisierenden Eishockeyspieler Shane Hollander und Ilya Rozanov halten ihre Beziehung in der Major League Hockey geheim; ebenso verbleiben ihre wachsenden Gefühle füreinander lange Zeit im Verborgenen. Erst als der Game Changer Scott Hunter sein öffentliches Coming-Out hat, können Shane und Ilya folgen.

In der kanadischen Erfolgsserie Heated Rivalry wird Intimität nicht allein in den expliziten Sexszenen deutlich, sondern über Licht- und Raummetaphern vermittelt. Die Entwicklung einer emotionalen Bindung zwischen den Protagonisten wird besonders über die Inszenierung des metaphorischen Closets im dunklen Nicht-Ort Hotelzimmer als Kontrast zum lichtdurchfluteten privaten Wohnraum sichtbar.

Heated Rivalry

Heated Rivalry (CAN 2025, R Jacob Tierney) ist eine Serienadaption der Romane Game Changer (2018) und Heated Rivalry (2019) von Rachel Reid (Rachelle Goguen). Im Zentrum stehen die professionellen Eishockeyspieler Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie). Hollander spielt für die Montreal Metros, Rozanov für deren Erzrivalen, die Boston Raiders, in der nordamerikanischen Profiliga Major League Hockey, einer fiktionalisierten NHL. Seit dem Sommer vor ihrer ersten Saison verbindet sie eine geheime Beziehung, die sich über mehrere Jahre parallel zu ihren sportlichen Karrieren entwickelt. Aus Angst vor Homonegativität im Profisport halten sie diese vor Öffentlichkeit, Familie und Teamkollegen verborgen. Nebenhandlungen greifen zudem die Beziehung zwischen dem Spieler Scott Hunter (François Arnaud) und Christopher ,Kip‘ Grady (Robbie Graham-Kuntz) auf.

Etwa zwei Jahre nachdem sich Ilya Rozanov und Shane Hollander erstmals beim International Prospect Cup begegnen und in ihre jeweiligen rivalisierenden Teams gewählt wurden, treffen sie sich zum Dreh eines Werbespots in einer Eishalle wieder. Nach einer intensiven Begegnung in der Großraumdusche verabreden sie sich in Hollanders Hotelzimmer. Dies ist der Auftakt für eine Reihe geheimer, nächtlicher Sex-Treffen im Verlauf verschiedener Hockey-Saisons über einen Zeitraum von fast zehn Jahren.

Im Schutz der Dunkelheit: Das anonyme Hotelzimmer

Die frühen Begegnungen der Protagonisten sind in der Serie konsequent in dunklen Hotelzimmern inszeniert. Räume fungieren in audiovisuellen Medien als kulturelle Kulissen, mit denen bestimmte soziale Praktiken, Affekte und Wissensformen assoziiert sind. Architektur, Einrichtung und Ort produzieren ein Ensemble aus Zeichen, das Zuschauer*innen lesen können. Räume präfigurieren damit die Interpretation von Beziehungen, noch bevor die Figuren selbst sprechen oder handeln (Tobe 2017: 1). Marc Augé bezeichnet Hotels als Nicht-Orte: Sie sind anonym, provisorisch, ephemer, ohne Geschichte, Identität und Emotionalität. Hotels sind zweckgebundene Räume der Transition, die keine dauerhaften Beziehungen ermöglichen (Augé 1994: 93f.). Für Hollander und Rozanov ist das Hotel ein Zwischenraum – zwischen Spielen, zwischen Städten, zwischen Saisons. Ihre Beziehung erscheint dort ebenfalls als Zwischenzustand: körperlich intensiv, aber emotionslos und temporär. Sie ist zunächst nicht auf die Zukunft ausgerichtet und folgt keiner ernsten Absicht.

Die Dunkelheit der Hotelzimmer wird zusätzlich intentional hergestellt: gedimmte Lampen, geschlossene Vorhänge, Nacht. Sie schafft einen Schutzraum kontrollierter Unsichtbarkeit (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Geschwärzter Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 1 Rookies, TS 22:11 min, © Crave.

Auch Beleuchtung ist weit mehr als eine technische Notwendigkeit visueller Medien. Licht ist eines der wirkungsvollsten Gestaltungsmittel filmischer Inszenierung. Es erzeugt Atmosphäre, lenkt Aufmerksamkeit und produziert Sichtbarkeit. Zugleich gilt Licht in der abendländischen Philosophie als zentrale Metapher für Erkenntnis (Nühlen 2025: 1). Als künstlich oder natürlich, weich oder hart, grell oder gedimmt ist Licht selbst metaphorisch vermittelt (van Leeuwen & Boeriis 2016: 24) und steht zum Schatten in einem dialektischen Verhältnis: Während Helligkeit häufig mit Offenheit, Wahrheit und Erkenntnis verbunden wird, markiert Dunkelheit Bedrohung, Geheimnis oder Unsicherheit. Gleichzeitig kann Licht auch zur Gefahr werden, wenn es Verborgenes exponiert oder Dunkelheit als Schutzraum dienen.

Licht fungiert in Heated Rivalry ebenso als epistemische Metapher. Liest man die Inszenierung mit Eve Kosofsky Sedgwicks Konzept des Closets, ergeben sich Parallelen: Sedgwick versteht das Closet als räumliche Metapher eines Wissensregimes (Sedgwick 1990 [2024]: 67, 72). Das Hotelzimmer materialisiert diese Struktur: Hollander und Rozanov wissen um ihr Begehren und zugleich um die Risiken eines Outings. Ihr körperliches Begehren und das Wissen darüber bleiben jedoch lokal und situativ – gebunden an den Raum und die Nacht. Entscheidend ist, dass Dunkelheit hier also nicht nur Schutz bietet, sondern auch Erkenntnis potenziell begrenzt. Bei ihrem ersten Hook-Up wird Rozanovs Gesicht partiell angestrahlt, während Hollander im Schatten verbleibt (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 1 Rookies, TS 17:22 min, © Crave.

Diese asymmetrische Ausleuchtung visualisiert zusätzlich eine Differenz in Selbstwissen und Selbstbewusstsein: Rozanov kennt seine Bisexualität, Hollander ringt noch mit der eigenen homosexuellen Identität im Closet. Zusätzlich wissen weder Hollander noch Rozanov um ihre zukünftigen tiefen Gefühle füreinander.

Aus der Dunkelheit ins Licht: I’m coming to the Cottage

Heated Rivalry arbeitet gezielt mit motivischen und visuellen Parallelisierungen. Sie verdeutlichen die zeitliche Tiefenstruktur der Serie, die im Rhythmus der Hockey-Saison organisiert ist. Die bewussten Wiederholungen machen zudem die jahrelange emotionale Entwicklung zwischen Shane und Ilya sichtbar.

Besonders deutlich zeigt sich diese Transformation zwischen ihrer ersten Nacht in der Episode Rookies und der Begegnung im Finale The Cottage als full circle moment. Nachdem Scott Hunter als erster aktiver Hockeyspieler sein öffentliches Coming-Out hatte, ist auch für Shane und Ilya der Weg zu Akzeptanz und Selbstoffenbarung geebnet: Shane lädt Ilya in der Sommerpause in sein Cottage ein. Ihre Ankunft wird mit einem langen One-Shot inszeniert, der den beiden Figuren ins lichtdurchflutete Haus mit zahlreichen offenen Fensterfronten folgt. Die Kamera führt die Protagonisten aus dem Außenraum in einen privaten Ort der Intimität. Sie präfiguriert symbolisch den Weg von der heimlichen Affäre zur offenen Liebesbeziehung.

Im Schlafzimmer des Cottage wiederholt sich der Ablauf ihrer ersten Begegnung fast exakt. Kameraperspektive und Körperpositionen sind nahezu identisch komponiert (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Screenshot: https://www.heatedrivalrywiki.com, © Crave.

Die entscheidende Differenz liegt in der Raum- und Lichtgestaltung.

Während die erste Szene von Dunkelheit, Anonymität und emotionaler Distanz geprägt ist, ereignet sich die spätere Wiederholung in einem offenen, lichtdurchfluteten Raum. Sie markiert damit einen Wandel von heimlicher Begegnung zu emotionaler Intimität.

Diese Transformation wird in einer Geste verdichtet: Shane versucht zunächst, die Fensterfronten zu verdunkeln. Ilya hält ihn jedoch auf und öffnet die Rollläden wieder. Das Licht wird nicht länger abgewehrt. Die Fenster im Cottage sind gleichzeitig Öffnung, Lichtquelle und Symbol für Transparenz. Shanes anfängliches Zögern verweist aber auch auf die Gefahr, die mit der Sichtbarkeit durch die Fenster einhergeht.

Auch der Raum selbst markiert eine Veränderung. Shanes Cottage bildet als personalisierter Wohnraum den Gegenpol zum anonymen Hotelzimmer. Der Wechsel vom Nicht-Ort zur Häuslichkeit visualisiert die Entwicklung ihrer Beziehung.

Zwischen Exposition und Erkenntnis

Die großen Fenster des Cottages, zuvor Symbol für Offenheit und gewonnene Intimität, erfüllen schließlich jedoch auch die in ihnen angelegte Gefahr der Exposition: Shanes Vater dringt in den privaten Schutzraum des Cottages ein und entdeckt Shane und Ilya dabei, wie sie sich leidenschaftlich an ein Fenster gelehnt küssen (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 6 The Cottage, TS 35:27 min, © Crave.

Sichtbarkeit wird damit zum Moment der Verwundbarkeit. Anders als beim spektakulären Coming-Out von Scott Hunter erfolgt die Offenlegung ihrer Beziehung jedoch nicht im grellen Rampenlicht der Öffentlichkeit. Stattdessen wird sie anschließend im warm ausgeleuchteten privaten Esszimmer der Hollanders verhandelt. Die Exposition führt schließlich zu emotionaler Befreiung und Akzeptanz: Shanes Eltern reagieren liebevoll und unterstützend und nehmen Ilya in ihre Familie auf. Das Closet ist damit aber nicht aufgelöst, sondern reorganisiert sich; es bleibt als Struktur bestehen, die Sichtbarkeit weiterhin öffentlich reguliert und begrenzt.

Abb. 5: Screenshot: https://www.heatedrivalrywiki.com, © Crave.

In der letzten Szene verschiebt sich die räumliche und visuelle Logik der Serie schließlich (vgl. Abb. 5): Das Auto als mobiler Raum ermöglicht eine Intimität, die nicht mehr an abgeschlossene Orte gebunden, sondern kontinuierlich und zielgerichtet ist. Das Licht ist warm, weich und natürlich. Die Körperhaltung von Shane und Ilya wirkt durch die Kameraeinstellung wie ein Herz – eine visuelle Verdichtung der Wandlung ihrer Beziehung von rein körperlicher Befriedigung im anonymen Hotel hin zu emotionaler Intimität im Licht der (Selbst-)Erkenntnis und (Selbst-)Akzeptanz.

Literatur

Augé, Marc (1994): Orte und Nicht-Orte. Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit. Frankfurt am Main: Fischer.

Leeuwen, Theo van & Boeriis, Morten (2016): „Towards a Semiotics of Film Lighting“. – In: Janina Wildfeuer & John A. Bateman (Hg.): Film Text Analysis. New Perspectives on the Analysis of Filmic Meaning. London & New York: Routledge, 24–45. https://doi.org/10.4324/9781315692746 

Nühlen, Maria (2025): Licht – Metapher der Erkenntnis. Das strahlende, blendende und erkennende Licht in der abendländischen Philosophiegeschichte. Berlin: J.B. Metzler. https://doi.org/10.1007/978-3-662-71296-2 

Sedgwick, Eve Kosofsky (1990 [2024]): Epistemology of the Closet [Updated with a New Preface]. Berkeley: University of California Press. https://doi.org/10.1525/9780520934481 

Tobe, Renée (2017): Film Architecture and Spatial Imagination. London & New York: Routledge.

Serien- und Episodenverzeichnis

Heated Rivalry, CAN 2025, F, R: Jacob Tierney, Crave, 1 Staffel, 6 Episoden.

Rookies, Heated Rivalry, S1E1, CAN 2025, R: Jacob Tierney, 49:27 min.

The Cottage, Heated Rivalry, S1E6, CAN 2025, R: Jacob Tierney, 51:44 min.

Abbildungsverzeichnis und Rechteerklärung

Abb. 1: geschwärzter Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 1 Rookies, TS 22:11 min, © Crave.

Abb. 2: Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 1 Rookies, TS 17:22 min, © Crave.

Abb. 3: Screenshot: https://www.heatedrivalrywiki.com, © Crave [Stand 02.04.2026].

Abb. 4: Screenshot aus Heated Rivalry, Episode 6 The Cottage, TS 35:27 min, © Crave.

Abb. 5: Screenshot: https://www.heatedrivalrywiki.com, © Crave [Stand 02.04.2026].

Abbildungen 2, 4 sind unveränderte Screenshots der Crave-Produktion Heated Rivalry und werden hier im Rahmen des Zitatrechts im wissenschaftlichen Kontext nach § 51 UrhG reproduziert.

Abbildungen 1, 3, 5 sind veränderte Screenshots der Crave-Produktion Heated Rivalry und werden hier im Rahmen des Zitatrechts im wissenschaftlichen Kontext nach § 51 UrhG reproduziert.

Zitation: Lisa Römer : Räume des Begehrens – Intimität im Licht von Heated Rivalry , in: blog interdisziplinäre geschlechterforschung, 05.05.2026 , www.gender-blog.de/beitrag/raeume-licht-heated-rivalry/ , DOI: https://doi.org/10.17185/gender/20260505

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Lisa Römer

Lisa Römer [sie/ihr] arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Zuvor hat sie ihren Masterabschluss in Medienwissenschaft und Gender Studies – Kultur, Kommunikation, Gesellschaft mit Auszeichnung ebenfalls an der RUB abgeschlossen. Lisa Römer forscht zu Ausstellungs- und Inszenierungspraktiken sowie (queeren) Körpern und/in Medien.

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