17. Dezember 2025 Oxana Eremin Susanne Richter Celina Letzner
Gender Studies gibt es auch zum Hören – zum Beispiel in dem Podcast Zeit für Gender an der Universität Paderborn. Themen wie Genderkompetenz, sexuelle Bildung, Perspektiven feministischer Digitalisierungsforschung oder geschlechterreflektierte Unterrichtskonzeptionen werden hier mit Expert*innen und Forschenden diskutiert. Mit Oxana Eremin und Susanne Richter, die den Podcast hosten, sprach Celina Letzner über die Entwicklung des Podcasts, die Gesprächspartner*innen und den Arbeitsalltag.
Wie ist 2020 die Idee entstanden, den Podcast zu starten?
O. E.: Die Idee dafür ist während der Corona-Pandemie entstanden, in der Phase des ersten Lockdowns. Damals war Daniela Möller als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Geschlechterstudien/Gender Studies (ZG) beschäftigt und war für die technische und inhaltliche Umsetzung des Podcasts zuständig. Und die Idee war: „Okay, wir haben jetzt keinen direkten Kontakt zu den Studierenden während der Corona-Pandemie, aber was können wir machen, was können wir dennoch anbieten?“ Zu dieser Zeit sind auch viele Masterarbeiten im Bereich der Geschlechterforschung eingereicht worden, vor allem aus dem Masterstudiengang Gender Studies. Der Aufhänger war, die Studierenden zu ihren Masterarbeiten zu befragen, thematisch, aber auch, wie dieser Prozess überhaupt so abgelaufen ist, mit allen Aufs und Abs und vielleicht auch ein bisschen nach dem Uni-Werdegang zu fragen. Ich war tatsächlich die erste Interviewte in diesem Podcast.
Könnt ihr euch noch an diese erste Folge erinnern?
O. E.: Daniela und ich sind ins Gespräch gegangen, nachdem das ZG mich angefragt hatte. Und das war am Anfang alles ziemlich aufregend, weil wir eigentlich keine Erfahrung damit hatten. Das war sowieso aufregend, über die eigene Masterarbeit zu sprechen! Ich habe zwar vorab Leitfragen zur Vorbereitung bekommen, aber wir haben das Ganze nicht gescripted und hatten auch erst mal keine technische Ausstattung gehabt, keine Mikros. Für die Aufnahme der ersten Folgen haben wir uns Gaming-Headsets von unseren Freunden geliehen. So ging das los.
Ihr habt mit Masterstudierenden als Interviewpartner:innen angefangen, mittlerweile habt ihr aber auch andere Gäste. Wie kommt ihr zu euren Gesprächspartner:innen?
O. E.: Ich glaube, das hat viel damit zu tun, wer gerade zu dem jeweiligen Zeitpunkt am ZG arbeitet, und wer welche Kontakte für den Podcast „nutzen“ möchte. So haben die ehemaligen ZG-Mitarbeiterinnen Annalisa Mattei und Anike Krämer, ihre Kontakte zu Wissenschaftler:innen außerhalb der Uni Paderborn genutzt, um beispielsweise über die Dissertationsprojekte und Forschungsschwerpunkte der jeweiligen Gesprächspartner:innen zu sprechen. Das heißt, wir gehen das Ganze eher pragmatisch an, wenn es darum geht, diesen Podcast zu füllen: Wie können wir unsere Zeitressourcen sinnvoll nutzen, wie können wir vielleicht auch Synergie-Effekte nutzen, wie sind gerade die Zeitkapazitäten von den Personen, die am ZG tätig sind, was bieten sich für Möglichkeiten an? So haben wir zum Beispiel auch aufgezeichnete Vorträge als Podcast-Folgen veröffentlicht oder auch Podcast-Folgen, die im Rahmen der digitalen Fortbildung Schule.Geschlecht.Einfach.Digital produziert wurden. Und jetzt ist die neueste Reihe die GeFoWiss-Reihe, die vor allem Susanne bespielt.
S. R.: Mit der Fachstelle GeFoWiss sind wir ein BMFTR-Projekt aus der Reihe „Geschlechteraspekte im Blick“, das das Ziel verfolgt dazu beizutragen, dass Forschung generell in Deutschland besser darin wird, Geschlechteraspekte zu inkludieren. Die Idee ist, dass wir alle Forschenden von allen Fächern aus allen Statusgruppen darin unterstützen, in ihren Projekten der Frage nachzugehen, was Geschlechteraspekte sein können und was Möglichkeiten sein können, diese in der Forschung zu erfassen, zu thematisieren, mitzudenken. Da ist auch im Projektkonzept ein Podcast involviert und wir schauen, wie wir Inhalte, die wir an anderer Stelle generieren, zugänglich machen. Zum Beispiel bereiten wir Vorträge als Folge auf. Das ist auch eine tolle Möglichkeit, Live-Veranstaltungen ihrer Flüchtigkeit zu entziehen und denjenigen zugänglich zu machen, die nicht dabei sein können, über die lokalen Räume hinaus.
Wie bekommt ihr das im Arbeitsalltag unter? Oder macht ihr das auch privat?
S. R.: Ich bin in der privilegierten Situation, dass das für mich Teil von dem GeFoWiss-Projekt ist, in dem ich angestellt bin, da ist es aber auch eine von vielen Aufgaben. Für mich war es generell sehr herausfordernd, sich in das Format reinzuarbeiten. Das ist ja im weiteren Sinne Wissenschaftsjournalismus und ein Audio-Format, was etwas ganz anderes ist, als das, was man normalerweise im wissenschaftlichen Alltag macht. Dabei muss man sich auch entscheiden, wie pragmatisch man Folgen produziert und aufbereitet. Wir versuchen, ein gut gemischtes Konzept zu haben, indem wir einige Folgen produzieren, die vielleicht nicht so aufwendig sind und einige, für die wir uns aber auch die Zeit nehmen wollen, drüber nachzudenken, was sinnvoll ist. Und das ist wirklich viel Aufwand. Was uns aber stark entlastet, ist, dass wir die Postproduktion nicht selber machen müssen, wir arbeiten mit den Kolleg:innen aus dem Medienzentrum zusammen und haben da zum Glück die Mittel, dass da jemand den Schnitt am Schluss macht und wir das dann nur noch kontrollieren und Anmerkungen für Nachbesserungen einreichen müssen.
O. E.: Das ist aber nur für die GeFoWiss-Reihe so. Wir haben uns für „Zeit für Gender“ tatsächlich auch Mikros angeschafft, aber wenn ich dann mit einer Person im Gespräch bin, muss ich das zweite Mikro dieser Person zuschicken. Allein so etwas ist schon immer ein großer Aufwand. Die generelle technische Umsetzung hat mich wirklich gefordert. Aufgrund des eh schon hohen Arbeitspensums ist ein Podcast ein zusätzliches To-Do, sodass man auch hierbei leider immer wieder abwägen und Prioritäten setzen muss. Gleichzeitig ist es ja aber auch ein sehr schönes Projekt, um mit Studierenden und mit anderen Wissenschaftler:innen ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. Außerdem ist es eine Möglichkeit, sich in dem Bereich der Wissenschaftskommunikation mal auszuprobieren.
Gibt es Reaktionen aus der Community oder von anderer Seite?
O. E.: Was wir an Feedback bekommen, ist hauptsächlich mündlich. Das ist zumindest hier am Institut erstmal recht positiv, denn das ZG hat, glaube ich, an der Uni Paderborn einen der ersten Podcasts gestartet. Das war erstmal was ganz Besonderes. Wir bekommen auch von anderen Lehrenden öfter zu hören, dass spannende Folgen dabei sind und haben auch schon gehört, dass Lehrende hin und wieder mal eine Folge mit in ihre Seminare reinnehmen, zusätzlich zu einem Lektüreauftrag beispielsweise. Wenn es in meinen Seminarkontext passt, dann nehme auch ich gern mal eine Podcastfolge in den Seminarplan auf.
S. R.: Wir bekommen bislang eigentlich kein negatives Feedback. Wir bekommen keine Zuschriften von Leuten, die den Podcast blöd finden. Gerade für solche Inhalte, wie wir sie machen, muss man ja manchmal damit rechnen, dass sie negative Reaktionen hervorrufen können. Doch unser Eindruck ist, Podcasts können ein sehr geschützter Raum sein. Für diejenigen, die das nur konsumieren, um zu stören, ist es viel Arbeit, sich darauf einzulassen. Im Vergleich zu vielen anderen Formaten können Podcast so auch einen regelrechten Schutzraumcharakter haben.
Der Podcast ist auf folgenden Plattformen kostenlos zugänglich:
Zitation: Oxana Eremin, Susanne Richter, Celina Letzner: „Zeit für Gender“ – Podcasts aus der Fachcommunity 2, in: blog interdisziplinäre geschlechterforschung, 17.12.2025, www.gender-blog.de/beitrag/zeit-fuer-gender-podcasts/, DOI: https://doi.org/10.17185/gender/20251217
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